Sonntägliche Abendunterhaltung vor dem TV-Gerät

Ein gänzlich normaler sonntäglicher Fernsehabend. Hierzu also der Versuch, Rückschlüsse daraus zu ziehen, mit welchen Eindrücken Menschen mit einem Kabel- oder Satellitenfernsehanschluss den Wochenausklang genießen dürfen.

Folgende hochwertigen Programminhalte fließen in diese Aufstellung mit ein: diverse Nachrichtenformate; Mission: Impossible 3, Dschungelcamp – Ich bin Prominent, holt mich hier raus!;  Im Zentrum; Deadline; Spiegel TV; Anzumerken: Dazwischen erleichtert eine selbstgemachte Schinken-Salami-Pizza den Abend, was aber zeitgleich dazu führt, dass dem Programm nicht immer in dem Ausmaß gefolgt werden konnte, wie es der Qualitätsanspruch der Abendunterhaltung gebieten würde.

Folgende Nachrichtenmeldungen aus Österreichischen und deutschen Nachritenformaten drängten auf einem Verbleib auf der Oberfläche meines – zugegebenermaßen subjektiv filternden – Gehirns:

  • die Kernspaltungsreaktoren Bohunice und Kosloduj werden aufgrund der Gaskrise wieder hochgefahren
  • die Automobilkrise führt dazu, dass auf der HerstellerInnenmesse in Detroit vermehrt Kraftfahrzeuge mit Steckdosen und Akkumulatoren anstatt Fahrzeugen mit Ottomotoren ausgestellt werden; Ferarri ist auf dieser Messe überhaupt gar nicht mehr vertreten
  • das Wetter: Saukalt
  • die Wirtschafts- und Finanzkrise wird immer schlimmer; wir werden alle versaut durch die Gegend laufen, weil sich mittlerweile Menschen mit Durchschnittseinkommen nur mehr 5. bis 6-mal jährlich zum Frisör bewegen, dadurch viele Frisörgeschäfte schließen werden müssen, weniger Angebot vorhanden sein wird, auf Termine länger zu warten sein wird; Und die Arbeitslosen aus dieser Branche die Krise natürlich weiter „anheizen“ werden;
  • das BZÖ ist in Umfragen in Kärnten erstmals hinter die SPÖ gerutscht; trotzdem Einigkeit beim BZÖ; Jörg Haiders Witwe(n) wohnen dem BZÖ-Wahlkampfauftakt bei
  • Obama wird Guantanamo doch während seiner ersten hundert Amtstage schließen können (über das Saualm-Guantanamo war gestern nichts zu hören)

Eindrücke, die von den anderen Sendungen zurückblieben:

  • Bomb dich durch’s Leben, um das Leben deiner wahren und einzigen Liebe zu retten (Mission Impossible 3); Allerdings: Verdammt, am Vortag bei Mission Impossible 2 war da zwar auch eine wahre und einzige Liebe, das war aber eine andere; Macht nix, entspricht eh dem zeitgenössischen Mainstream
  • du musst nicht wissen, weshalb du die ganze Zeit sprengend und schießend durch die Gegend läufst; die Hasenpfote soll dir ein Mysterium bleiben (Mission Impossible 3)
  • AngehörigeR einer Minderheit im US-Bundesstaat Michigan zu sein, kann tödlich sein (Deadline)
  • Finanzkrise ade: vote einer/m subjektiv als unsymphatisch empfundenen Semi- Prominenten in einer australischen Dschungelinstallation eine Folter zu, und gewinne 5000 Euro; Bei Nichtgewinn: erfreue dich daran, was selbst Semi-Prominente für eine Handvoll Bohnen und ein Glas Chilli alles über sich ergehen lassen (Dschungelcamp – Trallala).
  • Unangenehm kann die Gas- und Finanzkrise erst dann werden, wenn Schrottkernspaltungsreaktoren an der österreichischen Grenze wieder in Betrieb genommen werden (Im Zentrum)
  • eine halbe Stunde Spiegel TV hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen

Conclusio:

Viel zu wissen, sorgt ausschließlich für bleibendes Kopfweh. Die Notwendigkeit des Ladens der Akkumulatoren von Steckdosen-Individualfahrzeuge können dazu führen, dass grenznahe Kernspaltungsreaktoren wieder eingeschalten werden müssen. Allerdings sollte sich zumindest Österreich bis 2029 unabhängig von russischem Erdgas und grenznahen Spaltungsreaktoren Energiemäßig versorgen können. Sollte in Zeiten der Wirtschaftskrise der Nachbar deine Frau kidnappen so macht das nichts. Ein paar Maschinengewehrsalven beseitigen unliebsame Nachbarn und eventuell kommst du sogar zu einer Handvoll Bohnen und einem Glas Chilli, ohne, dass das Wasser bis zum Halse steht. Nicht zu wissen, was die Hasenpfote aus Shanghai ist, sorgt dafür, dass du nach alldem einen ruhigen Schlaf hast. Wenn da nicht Kärnten wäre: Das BZÖ demonstriert geschlossen Einigkeit, und fällt dennoch in den Umfragen hinter die SPÖ zurück. Aber, Sorge dich nicht, Informationen über das Saualm-Guantanamo spielen diesbezüglich keine Rolle. Sondern sei einfach froh, nicht im US-Staat Illinous zu leben. Abgesehen, dass in nicht allzu weit entfernten Bundesstaaten problematische Zukunftsszenarien von wegen Kraftfahrzeugen an der Steckdose vorgestellt werden, sind dort Menschen, die einer Minderheit angehören, nicht nur  – wie beispielsweise in Europa-  im Winter vom Kältetod bedroht, sondern auch akut von schnell ausgesprochenen Todesstrafen.

Lebe also einfach weiter, wie bisher, das bedeutet, dass deine wahrhaftigen und nachhaltigen Liebesbeziehungen an kein handlungsstringentes Fortsetzungsdrehbuch gebunden sein müssen, mach es wie bei Spiegel TV: Vergiss einfach, welchen Schrott du im Fernsehen als Abendunterhaltung vorgesetzt bekommst, iss deine Pizza, und geh’ einfach öfter zum Frisör.

2 Antworten

  1. Wie wärs mit einem guten Buch? Lesen macht weniger abhängig vom Geschmack der Allgemeinheit als Fernsehn. Und die Qualität der Erkenntnisse kann nur besser sein.

  2. @ Anonym

    Gute Bücher sind gut, auch Erkenntinstheoretisch. Ist aber so, dass ich es mit Thomas Bernhard halte, dass es ab und an Sinn macht, sich diesen ganzen Schrott hineinzuziehen, um diesen Schrott auch zu kennen und (nicht)-schätzen zu können…

    Aber, wie gesagt: Grundsätzlich sind gute Bücher Qualitätsvoller.

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